ALLGEMEINES ZUM KLASSISCHEN GESANG

  1. Einführung
  2. Grundkomponenten der Gesangstechnik
  3. Bernoulli-Effekt
  4. Registermischung/-ausgleich
  5. Allgemeines zum klassichen Gesang
  6. Gesangstechnische Unterschiede zwischen klassischem Gesang und Pop
  7. Singen und Sprechen
  8. Sinnliches Erleben 

Beim KLASSISCHEN GESANG  wird ein hoher Kopfstimmenanteil als Klangideal angesehen. Ebenso zielt der Sänger darauf ab, einen möglichst hohen Oberton-Anteil und Brillanz mit seiner Gesangstechnik herzustellen. Beim ausgebildeten Sänger entsteht ein geregeltes Vibrato, das bei etwa 5 Hz liegt, sowie charakteristische Obertöne, die sogenannten „Formanten“, starke Teiltonausprägungen, die bei 3,  5 und 8 KHz liegen und für die Tragfähigkeit der Singstimme zuständig sind.  Ein Vibrato, das unterhalb von 5 Hz liegt stellt eine Stimmstörung dar und nennt man „Wobble“. Oberhalb davon spricht man von „Tremolo“.   Das geregelte Vibrato entspringt einer freien, geordneten Stimmlippen- und Schleimhautschwingung.

ÖFFNUNG DES VOKALTRAKTS/KIEFER/ KEHLE ZUR OPTIMALEN RESONANZAUSNUTZUNG

Bei den  meisten  klassischen Sängern an der Weltspitze,  wie beispielsweise Anna Netrebko,  Jonas Kaufmann, Jessy Norman, Montserrat Caballe´, Bryan Terfel,  Rolando Villazon,  Thomas Hampson und Dmitri Hvorostovsky, Bernd Weikl,  kann man -überwiegend – eine OVALE Mundform erkennen und das Bestreben, den Kiefer, bzw. Vokaltrakt,   möglichst weit zu öffnen. Grundsätzlich gilt, je höher der Ton und umso mehr Klang gefordert wird, desto mehr muss geöffnet werden.   Das Klangergebnis ist rund und weich und gleichzeitig strahlend.

Bei der stimmlichen Arbeit mit Schülern und beim eigenen Gesang habe ich festgestellt, dass generell das Bestreben, eine große  Öffnung des Vokaltrakts herzustellen, einen entsprechend grossen, resonanzreichen Klang ergibt.  Entsprechend dazu erzeugt eine kleine Öffnung des Kiefers und der Kehle  einen eher engeren, zwar fokussierten Klang, jedoch meist ohne Rundung.   Seltene Ausnahme: der Kehlkopf steht naturgemäß tief, was eine zusätzliche Öffnung unnötig macht.

ENTSCHEIDEND ist, dass SYNCHRON zur Öffnung des Kiefers, sich der Kehlkopf und das Zwerchfell abwärts bewegen. Anders ausgedrückt: wir können so tief atmen, wie es irgendwie möglich ist – ohne eine gleichzeitige Einatmungsvertiefung der Kehle und Öffnung des Kiefers hat dieses Atmen keinen Einfluss auf die Qualität der Stimme.

Jedoch gibt auch gibt es Sängerinnen  wie, z. B.  Maria Callas,  bei denen  die Kieferöffnung ist in der Tiefe und Mittellage meist eher gering ist, in der Höhe wird geöffnet: es wird sukzessive Klangraum geschaffen.   Und hier gilt wieder der Satz: es gibt keine absolute Wahrheit, die Menschen und damit Stimmen sind unterschiedlich:   es entscheidet der Klang.     Die physiologischen Vorraussetzungen sind unterschiedlich.  Und Singen ist ja nicht zuletzt auch eines: ein KlangSPIEL. 

GENERELL sollte allerdings das Instrument Stimme möglichst nicht verkleinert werden, d. h.: Atemweite, Öffnung des Kiefers und der Kehle, sollten – nach meiner Meinung – nicht wesentlich verändert werden. Nicht bei unterschiedlichen Vokalen. Nicht bei den Tonhöhen. Nicht bei Lautstärken. Es gilt der Satz der Italienischen Gesangschule: „Come una Statua“.