REGISTERMISCHUNG /-AUSGLEICH

  1. Einführung
  2. Grundkomponenten der Gesangstechnik
  3. Bernoulli-Effekt
  4. Registermischung/-ausgleich
  5. Allgemeines zum klassichen Gesang
  6. Gesangstechnische Unterschiede zwischen klassischem Gesang und Pop
  7. Singen und Sprechen

Wichtig ist, in allen Lagen eine optimale Klangmischung der einzelnen Stimmregister zu erreichen.  Diese sind grundsätzlich:

BRUSTSTIMME – MITTELSTIMME (hartes Register)  –  KOPFSTIMME (weiches Register).

Unterhalb der Bruststimme liegt das “Schnarregister” und oberhalb der Kopfstimme das sogenannte “Falsett” (“falsche Stimme”).

Wie schon im Belcanto kann dies durch sog. “Mesa-di-voce-Übungen”  erreicht werden, das dynamische An- und Abschwellen von Tönen und Phrasen.  Bei leisem Beginn des Tones überwiegt naturgemäss die Kopfstimme mit dem weichen, zarten Charakter.  Nimmt die Lautstärke zu, wird auch der Bruststimmenanteil höher werden und umgekehrt.  Wie auf einer Spielwiese kann man auch improvisierend mit Lautstärke- und Weichheitsgraden auf verschiedenen Vokalen Übungen erfinden, die das künstlerische Arbeiten anregen. Wie der Kunstmaler, der mit unterschiedlichen Farben auf seiner Palette Farbmischungen herstellt. Der ideale Ausgangsvokal im klassischen Gesang für alle Vokale ist immer das geschlossene U oder O.  Interessanterweise hat sich herausgestellt, dass für Frauen das U günstiger, bei Männern das O besser anwendbar ist.  Alle Vokale müssen mit dem geschlossenen U oder O gemischt werden, um genügend weiche  Klanganteile (Kopfstimme) als Klangparameter zu beinhalten.  Dies ist eine Voraussetzung für eine gesunde Höhe.

Im Gesangsunterricht vermeide ich es allerdings, sofern der Schüler es nicht ausdrücklich wünscht, die Stimmregister namentlich aufzuteilen und dem Schüler klarzumachen, dies sei die Brust- jenes die Mittel- und dieses die Kopfstimme. Hat sich diese Vorstellung genügend manifestiert,  ist es leicht, psychologische Hürden aufzubauen. Nach meiner Meinung ist es pädagogisch besser, in der Gesangsstunde von weicherem, (also kopfigerem) oder kernigerem, (also bruststimmigerem) Klang, also von Farben und Farbmischungen zu sprechen, die von der Gesangsliteratur ja ohnehin eingefordert werden. Letztlich geht es jedoch darum,  das gestützte Falsett bzw. Kopfstimmenanteile mit der Mittel- und Bruststimme zu verbinden. Der gefundene Klang hat helle und dunkle Parameter, die italienische Gesangsschule spricht von her von der “ciaroscuro” – Mischung.    Die gefundene Mischung sollte nun mit gleicher Resonanzeinstellung über den gesamten Stimmbereich ausgedehnt werden, um nicht mit unterschiedlicher Stimmqualität in unterschiedlichen Lagen zu klingen.

 

 OPTIMALE RESONANZEINSTELLUNG

Zurückgehend auf die “schwedisch-italiensche Gesangsschule” halte ich den Laut “Jo” für Resonanzübungen am besten. In unteren Lagen ist es der offene Vokal O (wie in “offen”), in höheren Lagen das geschlossene O (wie in “oben”).  Sinnvoll ist es,   Gesangsliteratur auf “Jo” vorweg zu üben, da dieser Laut eine Idealeinstellung in der Kehle sowie der Resonanz darstellt. Beim Singen des Textes ist dann die “Jo”- Einstellung als Orientierung beizubehalten.  Das “J” (auch I)  spricht die vordere Resonanz an, das  O die hintere Kopfresonanz.  Auch bei den engen Vokalen I und E wird im Idealfall die Öffnung des “Jo” – Raumes beibehalten, um eine gleichbleibende Klangqualität zu erreichen.  Das Ziel ist ein runder, gemischter “chiaro-scuro” Klang durch alle Lagen in der möglichst gleichen Resonanz.  Werden Vokale in der Höhe heller, das A breiter, ist das ein Zeichen, dass das Appoggio, die Atemstütze nicht ausreicht oder nicht optimal eingesetzt wird.