GESANGSTECHNIK

  1. Einführung
  2. Grundkomponenten der Gesangstechnik
  3. Bernoulli-Effekt
  4. Registermischung/-ausgleich
  5. Allgemeines zum klassichen Gesang
  6. Gesangstechnische Unterschiede zwischen klassischem Gesang und Pop
  7. Singen und Sprechen

Der Gesangsunterricht bei mir basiert auf meinen Studien  bei renommierten Sängern und Gesangslehrern wie Prof. Gisela Litz, Kammersänger Josef Metternich und  Opernsänger Hans-Josef Kaspar (italienisch-schwedische Gesangsschule, Hans Hopf).  Ausserdem hat mich die Beschäftigung mit dem funktionalen Stimmtraining beeinflusst, hier namentlich vor allem die Arbeit von Cornelius Reid, der u. a. die Ideen des Belcanto für das Stimmtraining angewandt hat.   Nicht zuletzt jedoch sind es die eigenen, langen Erfahrungen mit den einzelnen Bausteinen in der Stimmbildung, dem Gesangsunterricht und beim eigenen Stimmgebrauch als Sänger,  die schließlich zur Annahme oder Ablehnung dieser oder jener technischen Ansätze im Gesangstraining führten und führen.

Musik und Singen ist  – so sagte Robert Schumann – vor allem eines: “Die Sprache der Seele”.  Der Ursprung allen Singens ist erst einmal der natürliche, seelische Gefühlsimpuls. Wer sich mit dem Gesang beschäftigt, wird ein inneres Bedürfnis haben, Emotion in Klang zu verwandeln. Für Arthur Schopenhauer war Musik und Gesang – zwischen all den Künsten – der höchste Ausdruck, den der Wille geben kann.  Singen bedeutet nicht nur das Erlernen der Gesangstechnik, eine reine Intonation, Atemtechnik,  dynamisches Vermögen etc., sondern vor allem auch den Mut aufzubringen, Gefühle willentlich hörbar zu machen, die das jeweilige musikalische Stück beinhaltet. Musik ist Emotion und Leidenschaft, dafür wurde sie komponiert. Manchmal ist sie aber auch die Beherrschung derselben und ein entwickeltes Stilgefühl für einzelne Genres. Grosse Sänger haben, neben einer ausserordentlichen Stimme, guter Gesangstechnik, der Beherrschung des Atems vor allem eine grosse Ausdrucksstärke.  Der gute Sänger berührt.  Wenn der Sänger – wie auch der Schauspieler – nicht fühlt und nur rein technisch denkt, wird der Zuhörer auch nichts empfinden.  Eine Übertragung der Emotion über die sog. “Spiegelneuronen” – die für Empathie zuständig sind – unterbleibt.

Doch hierfür müssen die Voraussetzungen, nicht auch zuletzt durch guten Gesangsunterricht, geschaffen werden. Grundsätzlich sind die stimmlichen Funktion beim Singen und Sprechen unterschiedlicher Natur. Einen warmen, gleichzeitig brillanten schönen Klang zu erzeugen, mit großem Legato  emotionsreich zu phrasieren und dabei noch textverständlich zu sein – das erfordert einiges Stimmtraining.

Für mich als Gesangslehrer gilt, dem Schüler alle Vorgänge beim Singen bewusst zu machen, die dann schließlich, wenn sie ausreichend trainiert wurden, größtenteils relativ unbewusst ablaufen, vergleichsweise ähnlich wie beim Autofahren. Aber auch, um über das Bewusstsein die Kontrolle über die Stimmfunktionen und den Atem zu erlangen, um nicht ausschließlich vom Gefühl abhängig zu sein, das – vor allem beim Profi – auch eines sein kann: Lampenfieber. Der Umgang damit wird dadurch deutlich leichter.

Betont werden muss, dass, so unterschiedlich wir Menschen von einander sind, so individuell auch der Gesangsunterricht sein sollte. Es geht darum, ureigene Instinkte des Schülers zu wecken und lernen, seinem eigenen Gefühl zu trauen. Was ein Gesangslehrer als Fakt formuliert, sich aber nicht gut anfühlt, kann nicht richtig sein. Was richtig ist entscheidet der Klang, aber nicht zuletzt auch das Empfinden und Wohlgefühl des Schülers. Auch beim Gesangsunterricht gilt: es gibt keine absolute, dogmatische Wahrheit, d. h., nicht alles gilt für jeden.